Rumänien 2017

Erschienen am in Fahrt, Lager, Pfadfinder

Ronja Schmors

Ronja Schmors

Nachdem sie schon seit den Wölflingen in Holzgerlingen bei den Pfadfindern war und dort auch leitete, ist sie jetzt durch ihr Studium nach Freiburg gekommen und leitet nach einem kurzen Zwischenhalt bei den Jupfis jetzt die Pfadis.

 

Freitag, 02.06.2017

Wir trafen uns am Hauptbahnhof Freiburg, um nach Rumänien zu fahren. Lucy fragte: “ Kann ich das (rdp) Halstuch dann einfach anziehen?“. Dann begann unser Interrail Erlebnis auch schon und wir fuhren mit dem Zug nach Frankfurt. Während der Fahrt fanden angeregte Diskussionen über die UNO Spielregeln statt. Von Frankfurt aus ging es dann weiter nach Wien. Wir hatten Verspätung. Es gab erste Bedenken – kriegen wir unseren Anschlusszug in Wien? Auf der Fahrt in Österreich holten wir die Verspätung dann wieder ein. Nun bestiegen wir unseren Nachtzug, mit dem wir nach Rumänien (Mediasch) fuhren. Beim Einsteigen stieg uns heiße, stickige Lugt in das Gesicht. Wir mussten um unser reserviertes Abteil kämpfen, da sich bereits andere Fahrgäste dort niedergelassen hatten. Im Abteil die erste Frage: „Wie bekommen wir das Fenster auf?“. Nach ein bisschen Werkelei- Ah, geschafft! Einige Feststellungen: „Voll der Dreckszug…!“ oder “ „Oh, die Sitze kann man doch kompliziert nach hinten klappen (indem man sie aus und wieder einhängt)“. Wir aßen jetzt erstmal. Mit ca. 10 minütiger Verspätung fuhr der Zug dann los. Wir machten in Ungarn Halt. Lotte stellte fest: „Oh, da hat es voll geile leerstehende Häuser :)“. Und Finn bemerkte: “ Es gibt n`Lidl.“ Bei unserem Halt in Budapest, meinte Simon: “ Es sieht hier aus wie im Europa Park.“  Eine Beobachtung zu Unterschieden zwischen den verschiedenen EU-Ländern ergab, dass es krass ist, wie andere Länder mit der Polizei umgehen. Janis erklärte uns: “ In Deutschland haben die nicht so einen Schlagstock.“ Dann ging es auch schon weiter, bis wir kurz vor der rumänischen Grenze anhielten. Es fand eine Passkontrolle statt. Währenddessen kamen tiefgreifende philosophische Diskussionen auf. Während der Nacht konnte eigentlich keiner außer Lotte wirklich schlafen. Einzelne dösten ein bisschen. Gegen Morgen gelang es dann fast allen, ein wenig zu schlafen.

Samstag, 03.06.2017

Wir waren alle ungeduldig und hofften, bald in Mediasch anzukommen. Es kamen untereinander Zeitverschiebungsverwirrungen auf. Unser Zug hatte Verspätung. Als wir in Mediasch ankamen, mussten wir erst einmal Geld abheben und unsere Wasservorräte auffüllen. Die Pfadis gönnten sich Eis. Dann mussten wir auch schon wieder mit dem nächsten Zug weiterfahren. Bald darauf waren wir in Hermannstadt – wir waren fast angekommen. Da wir noch warten mussten, bis unser Bus kam, gingen ein paar von uns in der Zwischenzeit einkaufen. Das Ergebnis war ein ereignisreicher Einkauf, vor allem, wenn man sich im Laden umfragen muss und sich beide Seiten nicht verstehen können. Dann fuhren wir auch schon mit dem Bus nach Heltau. Wir hatten zu viel Gepäck für einen Minibus, das wir kreativ unterbringen mussten. In Heltau stieg Simon dann aus und ging zum Pfarramt, um unseren Schlüssel zu holen. Der Busfahrer hatte angeboten, alle anderen für 20 Lei noch nach Michelsberg hochzufahren. Wir waren endlich angekommen! Wir mussten noch kurz auf Simon warten, dann konnten wir unsere Herberge für die nächsten Tage besichtigen. Wir teilten uns alle ein Schlafzimmer. Nach dem Bezug unseres Zimmers, gingen wir in das Dorf und erkundeten die Burg. Dort trafen wir Frau Schäßburger, die dort die Burgwächterin(?) ist. Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit Soße und gingen danach zeitig ins Bett. Wir mussten ja schließlich noch alle Schlaf von der Zugfahrt nachholen.

Sonntag, 04.06.2017

Morgens fuhren wir mit dem Taxi zum ASTRA Museum, da Sonntags eigentlich kein Bus aus Michelsberg fährt. Es war teurer als es wir nach Simons Recherche erwartet hatten. Simon war empört: „Und der Fahrer hat mich um einen Lei betrogen!“. Wir gingen gemeinsam durch das ethnographische Freilichtmuseum und schauten uns die alten rumänischen Häuser und Mühlen an. Die Pfadis entdeckten bei einem Haus Kätzchen und reichten sie von einer Hand zur anderen. Es fand ein Fotoshooting mit den Kätzchen statt. Im ASTRA Museum trafen wir rumänische Pfadfinder, die uns ein bisschen über sich erzählten und uns den Tipp für das gerade stattfindende Street Food Festival gaben. Deshalb gingen wir dorthin und genoßen die Zeit dort. Wir lauschten einer rumänischen Band – Suburbia -, die gute Musik machte. Auf dem Rückweg stellten wir dann fest, dass der Bus nach Heltau irgendwie doch nicht fuhr und wir mussten doch wieder Taxi fahren, um in unsere Unterkunft zu gelagen. Janis brachte einen Vorschlag für unser Lagermotto: „Geiz ist geil!“ – die Fahrt war schon wieder teurer als vom Fahrer angekündigt. Naja, passiert. Wir kochten Nudeln und planten die kommenden Tage. Abends gingen wir in Michelsberg ein bisschen zwischen die Felder und ließen dort den Abend ausklingen.

Pfingstmontag, 06.05.2017

Als wir aufstehen wollten, kamen die Mädels nicht aus dem Bett. Wir früstückten und spülten schnell und gingen etwas später zu Lili – einer Bekannten von Peter. Sie gab uns eine Karte mit einer Wegbeschreibung und ließ uns vor unserer Wanderung noch ein paar Erdbeeren bei ihr im Garten pflücken. Dann wanderten wir auch schon los. Wir hatten diesen Tag für unsere Wanderung ausgesucht, da am Pfingstmontag auch kein Bus von Michelsberg fuhr. Die selbstgemalte Karte sorgte unterwegs immer wieder zu Verwirrungen. Wir schlugen uns damit durch und entdeckten auf dem Weg ein verlassenes Haus, das die Pfadis erkunden wollten. Danach fanden wir dann den Weg nach Prislop – einem Dorf, in dem Zigeuner (Wortwahl ist in Rumänien normal) leben – und ein paar Jungs erskortierten uns auf Fahrrädern durch das Dorf. Auf dem Weg begegnten uns viele tote Tiere. Das hatte bereits am ersten Tag in Rumänien angefangen. Dort fanden die Pfadis einen toten Maulwurf, den sie Randy genannt hatten. Auf der Wanderung haben sie dann noch zahlreiche weitere tote Tiere gefunden, die sie alphabetisch in der Reihenfolge des Auffindens nach Romania!2017 benannten: Ofenia (Spitzmaus), Mahmut (Spitzmaus), Angus (Blindschleiche), Nobby (Hirschkäfer), Isabella (Spitzmaus), A- (Spitzmaus), -Dolf (Spitzmaus), Ausrufezeichen  (Art nicht mehr bekannt), 2017 (Kröte). Wir mussten also vor jedem toten Tier anhalten, es begann eine Namensdiskussion und das Tier wurde am Wegrand beerdigt. Auf dem Rückweg entdeckten wir ein weiteres verlassenes Haus, das im Keller eine Kulisse wie im Film „The Ring“ hatte. Als wir wieder am Bach vorbeikamen, machten wir dort eine Pause und die Pfadis haben sich im und am Wasser erfrischt. Als wir wieder fast zu unserer Unterkunft gelaufen waren, stellte Finn fest, dass er seine Brille im Ast eines Baumes vergessen hatte. Er meinte: „Ach egal, ich hol‘ sie nachher mit dem Fahrrad.“ Bis heute ist leider kein Fahrrad aufgetaucht. 😉 Am Abend buken wir dann Pfannkuchen und verbrachten einen „inoffiziellen“ Abend, in dem es einige Offenbarungen gab.

Dienstag, 06.06.2017

Wir fuhren morgen mit dem Bus nach Hermannstadt. Dort besuchten wir viele Second Hand Läden, in denen wir u.a. T-Shirts für 50 Cent kauften. Janis kaufte sich auf dem Markt dort eine schwule Pistole. Natürlich besichtigten wir auch die Stadt und besuchten den Markt. Außerdem bestieg ein Teil von unserer Gruppe den Ratturm. Die Mädels kauften auf dem Markt Kaninchen, mit denen wir uns an den Cibin (Fluss) gesetzt haben. Die Pfadis spuckten die Kirschkerne überall  und auf jeden. War es wirklich eine gute Idee auf dem Markt Kirschen zu kaufen?! Abends aßen wir in der rumänischen Kette Super Mamma. Diese ist so Kantinenähnlich aufgebaut. Janis kaufte sich ein Eis für 5 Lei in einer blauen Glitzerwaffel – er war so begeistert davon! *ironyoff* Später setzten wir uns in einen Park und spielten Schach. Außerdem wurden die Kaninchen gestreichelt, gezeichnet und erste Postkarten an die Lieben zu Hause geschrieben. Als wir auf den Bus warteten, mussten wir feststellen, dass dieser gar nicht mehr fuhr. Also mussten wir wieder mit dem Taxi fahren. Zurück in unserer Unterkunft, haben wir dann unser Essen für den nächsten Tag vorbereitet.

Mittwoch, 07.06.2017

Wir standen auf, verteilten das Essen auf unsere Rucksäcke und fuhren nach Hermannstadt. Dort warteten wir dann erstmal auf Ron, der heute mit dem Zug nachkam. Wir holten ihn am Bahnhof ab und frühstückten erstmal gemeinsam. Dann machten wir uns auf den Weg zum rumänischen Pfadfinderzentrum in Nocrich. Dort angekommen, besichtigten wir das Gelände und die Räumlichkeiten des Pfadfinderzentrums. Danach wurde uns die Kirche dort im Dorf gezeigt, die stillgelegt ist, aber von den Pfadfindern für Veranstaltungen genutzt werden darf. Außerdem zeigten sie uns den Friedhof auf dem viele Deutsche begraben sind, die früher in diesem Gebiet in Rumänien gelebt hatten. Die meisten waren dann später weggezogen. Jetzt lebte nur noch eine deutsche Minderheit in der Gegend. Als wir wieder zurück waren, wurde uns das Töpferhandwerk der Pfadfinder gezeigt und wir konnten auch selbst im Pfadfinderladen die Töpfereien anschauen oder kaufen. Außerdem spielten wir mit den rumänischen Pfadfindern und EFDlern einige Spiele. Dann machten wir uns auch wieder auf den Rückweg nach Heltau – und liefen den Weg nach Michelsberg zu Fuß, da kein direkter Bus mehr fuhr.

Donnerstag, 08.06.2017

Heute fuhren wir nach Hermannstadt, um uns dort mit einer ansässigen Pfadfindergruppe zu treffen. Zuerst brachten sie uns typische Spiele näher, die sie in ihren Gruppenstunden spielen. Im Anschluss tauschten wir Halstücher mit ihnen. Danach hatten sie ein Stadtspiel für uns vorbereitet, bei dem wir verschiedene Aufgaben und Fragen in und um die Stadt lösen mussten. Nachdem wir Hermannstadt also noch etwas besser kennengelernt hatten, gingen ein paar von ihnen noch mit uns essen. Während des Essens konnten wir so noch mehr über die Pfadfinderei in Rumänien erfahren und unsere Fragen loswerden. Grundsätzlich ist diese in Rumänien nicht so bekannt, aber die unterschiedlichen Gruppen versuchen dies zu ändern.
Insgesamt war es eine sehr schöne und ereignisreiche Begegnung und schön zu erleben, wie die Pfadfinderei verbindet.

Freitag, 09.06.2017

Wir verbrachten den vollen letzten Tag noch einmal in Hermannstadt. Es wurden letzte Shopping Einkäufe erledigt. Außerdem besuchten wir das Volksbad, dessen alte Architektur noch gut erhalten ist. Dort schwammen wir gemeinsam ein paar Runden. Darüber hinaus besuchten wir nach einer schwierigen Entscheidungsfindung, noch das Pharmaziemuseum – dort gab es auch eine große Ausstellung zu Homöopathie, da der Entdecker der Homöopathie, Samuel Hahnemann, auch einige Jahre seines Lebens in Hermannstadt verbrachte. Interessant waren aber vor allem die riesigen, historischen Werkzeuge und Messgeräte der Pharmazeuten.

Samstag, 10.06.2017

Unsere Fahrt neigte sich langsam dem Ende zu. Heute ging es mit dem Zug schon auf den Rückweg nach Hause. Doch zuvor mussten wir mit unserem Gepäck nach Heltau wandern, um dort den Bus zu nehmen. So hatten wir auch noch etwas Zeit einen Eindruck von Heltau zu bekommen.
In Hermannstadt angekommen, stiegen wir in den Zug. Wir hatten diesmal kein eigenes Abteil, da wir eigentlich zu viele Leute für ein Abteil waren. Dennoch quetschten wir uns alle gemeinsam in ein Abteil. Im rumänischen Zug stellte Ron fest: „Alter, die Motte draußen fliegt schneller als der Zug!“. Wir verbrachten die Zeit, indem wir gemeinsam ein paar Lieder sangen oder die Bahnhöfe mit teilweise viel zu kurzen Bahnsteigen bewunderten. An der Grenze machten sich alle Sorgen – hoffentlich wird nicht das gesamte Abteil durchsucht – was bei dem ganzen Durcheinander an Gepäck aber auch eine Weile gedauert hätte. Es ging alles gut. Wir witzelten, dass sich bestimmt manchmal Leute unter dem Sitz über die Grenze schmuggeln ließen, da der Grenzbeamte die Sitze untersucht hatte. Dann versuchten wir diesmal ein bisschen mehr zu schlafen – was nicht allen gelang.

Sonntag, 11.06.2017

Während der Zugfahrt in Österreich entwischten die Kaninchen, konnten aber schnell wieder eingefangen werden. Nach einer langen Rückfahrt, kamen wir dann irgendwann wieder in Freiburg an. Dort machten wir einen Abschlusskreis und gingen auseinander.