Jupfisommerlager 2012

Erschienen am 30. Juli 2012 in Jungpfadfinder

Franziska Stief

 

Am Dienstag, den 31. 7. 2012, trafen wir uns munter und vergnügt morgens um 9:15 Uhr am Wiehrebahnhof, gewappnet, ein großes Abenteuer zu erleben. Zunächst hieß es Abschiednehmen, die richtigen Züge erwischen und ab ging es nach Rötenbach auf Franz‘ Wiese. Dort angekommen packten wir unsere Rucksäcke um, schließlich wollten wir nicht unser ganzes Gepäck mit auf die lange Wanderung nehmen, außerdem verteilten wir die Vorräte und andere wichtigen Gegenstände wie Kocher, Wasserkanister und Ähnliches. Nach einem kurzen Vesper zur Stärkung am Mittag begaben wir uns auf die große Wanderung. Es sollte das erste Wanderlager für den Großteil der Gruppe werden, mit dabei waren von den Jungpfadfindern: Lene, Lucy, Charlotte, Mathias, Milan und Max. Für den ersten Tag hatten wir uns eine kürzere Strecke herausgesucht, damit sich alle an das Wandern mit Gepäck gewöhnen konnten, aber auch so war sie lange genug. Als wir endlich die Schutzhütte erblickten, die die Leiter im Voraus als Nachtlager auserwählt hatten, waren die Gefühle gemischt – einerseits herrschte Freude, andererseits fragten sich die meisten, wie sie in einer Schutzhütte schlafen sollten. Aber zu einem Wanderlager gehören solche Herausforderungen und nach einer kleinen Weile hatten sich alle mit dem Schlafplatz abgefunden, schließlich hatten so alle einen ausreichend großen Schlafplatz und ein sicheres Dach über dem Kopf, während die Leiter vor der Hütte unter einer Gewebeplane schlafen würden. So regte sich schon bald der Hunger und während die Jupfis sich selbst im Wald vergnügten, begannen die Leiter, mit dem Kocher zu kämpfen. Dieses Modell, eigentlich ideal für Wanderlager und eigentlich extrem leicht zu bedienen, wollte einfach nicht dauerhaft brennen. Der Hunger wurde größer und mit ihm auch die Ungeduld allerseits. Zur allgemeinen Ablenkung durchtanzten wir eine Woche „Laurentia“, da doch einige Jupfis diese Pfadfinderbeschäftigung noch nicht gekannt hatten, als wir sie das letzte Mal versuchten. Anschließend gelang es uns, den Kocher mit der Hilfe des genauen Achtens auf die Wortwahl unserer Beobachtungen und den frischen Gedanken unserer Jupfis, den Kocher zu seinem Verwendungszweck anzutreiben. Endlich ging es mit dem Abendessen voran. So konnten wir schon bald Nudeln mit (tatsächlich scharfer!) Arrabiatasoße essen und kurz darauf ins Bett gehen.
Nach einer – größtenteils – ruhigen Nacht frühstückten wir am nächsten Morgen im Licht der aufsteigenden Sonne und genossen heißen Tee. So bald wie möglich und doch später als erwartet brachen wir auf, auf den längsten Teil unseres Wanderlagers. Es wurde ein sehr warmer Tag und wir waren froh, um die Mittagszeit unsere Trinkwasservorräte auffüllen und eine größere Mittagspause machen zu können. Glücklich sahen wir, doch schon gut die Hälfte der Wegstrecke bewältigt zu haben, obwohl wir wegen scheuernder Schuhe, zu großer Hüftgurte oder nicht optimal sitzender Rucksäcke immer wieder ungeplante Pausen einlegen mussten. Einer der Jupfis begab sich in dieser Mittagspause noch einmal ein Stückchen der Wegstrecke zurück, um sein Halstuch wiederzufinden, was ihm glücklicherweise gelang. Nach der Mittagspause fanden wir dann endlich richtig ins Laufen und kamen sehr gut voran. Hatten wir vormittags noch die wunderschöne Natur und die Strecke entlang eines Baches bewundert, fingen wir nun auch zusätzlich mit kleinen Rätselspielen an. So konnten wir pünktlich zur 16Uhr-Überraschung ein gutes weiteres Stück auf unserer Karte als bewältigt verbuchen. Bei der nächsten kleinen Pause mussten die Jupfimädels dann noch einmal einen Teil der Strecke zurück – der Wimpel konnte schließlich nicht zurückgelassen werden! So langsam näherten wir uns der Zielgeraden, die wir auch unbeeinträchtig von einem kleineren Beinahe-Zusammenbruch und einem nicht existierenden, aber auf der Karte eingezeichneten Weg erreichten. Mit dem sich nun eingestellten Gruppenzusammenhalt erschlossen wir die letzten Meter zur Schutzhütte. Dort hatten wir auch eine Feuerstelle, sodass die Jupfis Feuer machten, während die Leiter Reis und Currysoße kochten (diesmal ohne lange Verzögerungen). Nach einem Abendessen, das von heiterer Stimmung geprägt war, setzten wir uns in einer Runde um das Lagerfeuer zusammen und hörten Geschichten über den Gründer der Pfadfinder, Baden-Powell. So erlebten wir eine typisch-pfadfinderische Lagerfeuergeschichtenatmosphäre. Müde von dem erlebnisreichen Tag freuten sich nun alle auf ihre Schlafsäcke. Doch in dieser Nacht war nicht an Durschlafen zu denken, denn es zog ein großes Gewitter auf. Aus drei Himmelsrichtungen näherten sich die Blitze, zählend warteten die Leiter unter der Plane darauf, dass das Gewitter sich für eine Richtung entschied. Als es dann tatsächlich immer näher zu uns kam – bewachte Jojo, die unter der Plane gelagerten Sachen, während sich Franzi für die Jupfis in der Schutzhütte als Ansprechpartnerin aufhielt. Das war gut so, denn nahezu alle Jupfis waren wach und das Gewitter war bedrohlich nahe, bei den Blitzen war alles taghell. So schützten wir uns gegenseitig vor dem Regen und sorgten dafür, dass sich niemand allein oder in seiner Angst verlassen fühlte. Aber das Gewitter zog vorbei und wir können stolz sagen, auch diese Herausforderung auf dem Wanderlager mit Bravour gemeistert zu haben. Endlich konnten alle schlafen.
Am anderen Morgen zogen wir etwas früher los, um unseren letzten Streckenabschnitt zu bezwingen. Mit vielen Rätseln kamen wir schnell voran, was uns sehr beruhigte, da graue Wolken unheilvoll über uns hingen und es relativ kühl war. Ungern wollten wir lange im Regen wandern müssen, aber dazu kam es zum Glück nicht, denn schon um die Mittagszeit erreichten wir unser Ziel: Den Schluchsee. Den See vor Augen war uns allen bewusst: Wir haben unsere lange Wanderung geschafft! Am Ufer des Sees rasteten wir für unser Mittagessen, anschließend hieß die Devise „Füße ins Wasser halten“ – zum Baden war es zu kalt. Doch schon bald stiegen wir in den Zug, um zurück zu unserem Lagerplatz in Rötenbach zu gelangen. Dort angekommen legten wir mit Franz‘ großer Hilfe eine Wasserleitung und bauten das Toilettenhäuschen auf. Wir entschieden uns dagegen, die Zelte aufzubauen, da das Wetter für die kommenden Tage sehr unentschlossen werden sollte und wir nicht die Zeit hätten, diese zum Trocknen auf- und vor allem einige Tage später wieder abzuhängen. So suchten sich alle einen Platz im Schopf. Für alle, die wollten ging es danach zu einem Bad im nahegelegenen Bach, denn inzwischen hatte sich die Sonne gegen die Wolken durchgesetzt und es war sehr heiß geworden. Anschließend kam jeder in den Genuss, die Wasserleitung wirklich auszunutzen – danach hatten wir das gleiche Gefühl wie durch den Luxus einer Dusche: wir fühlten uns richtig frisch und sauber! Die Jupfis bekamen Freizeit, die Leiter sorgten für den Nachschub einiger frischer Lebensmittel. An diesem Abend genossen wir Käsespätzle. Am Lagerfeuer erzählten wir wissenswerte und vor allem interessante Geschichten aus der Geschichte der Pfadfinder und spielten vor dem Insbettgehen noch Werwölfe.
Am nächsten Morgen setzten wir uns weiter mit der Pfadfinderei auseinander und gestalteten kleine Heftchen, um das Erfahrene in Kleinversion dabeizuhaben und immer nachschlagen zu können. Damit verknüpft begann die Versprechensvorbereitung, zu der sich dann schließlich auch alle zurückzogen, um über ihr persönliches Versprechen nachzudenken. Während der Suche nach lagerfeueressentauglichen Stöcken im Wald war dann die Möglichkeit gegeben, das eigene Versprechen auswendig zu lernen. Den späten Nachmittag über spielten die Jupfis PKWAction – die Leiter bereiteten das Abendessen vor. So grillten wir mit den gefundenen Stöcken und hatten Würstchen, Nudelsalat und Stockbrot – doch die Aufregung stieg spürbar. Dementsprechend gequietscht klangen auch unsere Lagerfeuerlieder, trotzdem hatten wir einige Zuhörer in der Nachbarschaft. Als Franz kam, feierten wir ein sehr schönes Versprechen um das Lagerfeuer. Versprechen machten: Max, Mathias, Charlotte, Lucy und Lene – und alle Versprechen waren sehr persönlich, mit vielen Gedanken dahinter und sehr schön. Zur Feier gab es anschließend noch Schokopudding und einige Runden Werwölfe, bevor alle sehr müde zu Bett gingen.
Am nächsten Morgen kam Richard zu Besuch. Damit fand am letzten Tag auch eine Art Leiterübergabe statt, denn Richard würde der neue Jupfileiter werden. Wir vollendeten die kleinen Pfadfinderbüchlein, bauten ab und putzen, hatten ein nettes Mittagessen und planten große Lager der Zukunft. Die Wünsche der Jupfis reichten von Pferdewanderlager über Lager im All und auf dem Mond, zur Sahara, Quadfahren, Geheime Militärstation und Weltumrundung bis hin zum Segeln… Wir können also Großes erwarten. Nach einer sehr lustigen Vorführung des „Spacetaxi“-Tanzes [(T)Raumschiff Surprise, Film von Michael „Bully“ Herbig] und einem nicht ganz so lustigen Ende aufgrund eines kleinen Zusammenstoßes, begaben wir uns auf unseren Heimweg, der in den Zügen von weiteren Werwolf-Runden geprägt war. Am Wiehrebahnhof angekommen, wurden wir schon von den Eltern erwartet und unser „Nehmt Abschied, Brüder“ im Abschlusskreis war alles andere als quietschig – es klang sehr schön! Stolz auf ein Lager mit vielen gemeisterten Herausforderungen und auf ein tolles erstes Wanderlager für die meisten können wir auf diese gemeinsame Zeit zurückblicken.

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