Rosskur im Schuhkarton (17.-18.07.2020)

Erschienen am in Aktion, Rover

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Thomas Gröschel

Thomas hat im Jahr 2000 als Wölfling im Stamm angefangen und ist seit 2008 Teil der Leiterrunde. Nach fünf Jahren Pfadfinderleitung ist er aktuell als Leiter bei den Rovern und seit 2012 auch im Stammesvorstand aktiv. Auf Bezirksebene ist er ein Teil des Rover AK.

 

Ein Jahr ohne Rosskur ist für den Rover Diözesan AK Freiburg so ganz und gar nicht tragbar, weshalb es nun mit der Rosskur im Schuhkarton die erste dezentrale Rosskur gab. Das Prinzip war ganz einfach: Anstatt das die einzelnen Gruppen zu einem Ort pilgern, um sich von dort aus die Kilometer auf die Sohlen zu laufen, kommt ein Schuhkarton voller guter Dinge direkt zu einem nach Hause. Selbstknechtung per Bestellung – Stark, zwei Mal bitte, denn auch wir (Ronja und Tommy) wollten uns eine weitere Rosskur nicht entgehen lassen.

Da es sich dieses Jahr um eine dezentrale Rosskur handelte, gab es auch für jede Gruppe einen eigenen Start-/Zielpunkt und eine persönliche Route. Nach einem kurzen Online-Meeting fiel der Startschuss traditionell am Freitag um 17 Uhr, woraufhin auch wir uns auf die Socken machten.

Die erste Markierung auf der Karte führte uns nach Ebnet, wo wir gemütlich in einer Hütte des Kinderspielplatzes einen Morse-Code entschlüsseln durften. Zum Glück war diese Station am Anfang der Rosskur, denn auch schon so war die Aufgabe nicht gerade einfach. Erste Station abgehakt, ging es an Ziegen und co. vorbei ab nach Kirchzarten, wo wir auf einem Supermarktparkplatz unsere Yoga-Skills zum Besten gaben. Auch wenn es schon kurz vor Ladenschluss war, hatten wir noch den ein oder anderen Zuschauer, welche wir mit unserer Darbietung vom „badenden Paul“, der „sterbenden Stabheuschrecke“, dem „spülenden Wö“, des „heißen Eisbären“ sowie unserem Freestyle „Der stabile Bezirk“ begeistern konnten. Nach dieser Session trug und das wohlige After-Yoga-Feeling weiter zur nächsten Station in Oberried.Im Kräutergarten zu Oberried war unsere Aufgabe unser eingepacktes (veganes) Ei, eine Tomate, so oft wie möglich auf dem Löffel zu tauschen. Das ging ganz gut und so düsten wir flott weiter zu unserem ersten Anstieg, welcher sich mit bis zu 18 % Steigung als sehr garstig erwies. Oben angekommen gaben wir unsere Choreografie zu den Stufenschwerpunkten zum Besten, bevor es auch wieder direkt runter ins Tal ging … an dieser Stelle Danke an den Routengenerator für die Höhenmeter.

Wieder fast ganz unten im Tal, haben wir uns für eine Alternativroute entschlossen, welche uns etwas quer durch den Wald gejagt hat. Ob Abkürzung oder nicht, gegen halb 2 kamen wir an der nächsten Station an, wo wir erst mal Pause machten. Das passte auch erstaunlich gut, denn unsere Aufgabe war die Verkostung einiger Gewürze. Nachdem wir uns gestärkt hatten, unseren ersten Rosskurkaffee rein gepfiffen haben und wir vom komischen Kerl im Auto für gut eine Minute angestarrt wurden, starteten wir den „Angriff auf den Berg“. Auch hier nochmals Danke an den Routengenerator für die Route durchs Gestrüpp.

Unser Ziel für diese Teilstrecke stand schon lange fest: Bis spätestens zum Sonnenaufgang auf dem Berg sein. Hat geklappt! Na ja, wir waren sogar zu früh und als die Sonne aufging schon wieder auf der Rückseite des Berges. Egal, denn nach zwei weiteren Stationen kamen wir an einen schönen Punkt, welche DER Platz für ein lecker Frühstück und den nächsten Kaffee war. Inzwischen waren wir knapp 12 Stunden unterwegs und locker 24 Stunden wach. Immer eine kritische Phase aber unser Körper meisterte diesen Augenblick gekonnt und wandelte die Müdigkeit geschickt in Dummheit um, wodurch das Laufen wieder einfacher von der Sohle ging.

Bei den nächsten Stationen meisterten wir so die sportlichen und akrobatischen Aufgaben mit nahezu perfekt (NICHT!) und begaben uns langsam in Richtung Entspurt. Bei der Aufgabe in Sölden (Klopapier-Promotion) half unsere von Müdigkeit beflügelte Dummheit ein weiteres Mal, bevor es am Schönberg entlang über den Schlierberg zur Wonnhalde ging. Nach der letzten Aufgabe, einem Liebesbrief an den Rover Bundes AK, machten wir uns noch auf die Suche nach einem Briefkasten und einigen Freiwilligen, welche wir für einen „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“-Impuls motivieren konnten. Wir dachten, dass das die Aufgabe für einige Zusatzpunkte war, aber ich glaube, wir haben das komplett falsch verstanden. Tja, blöde, haben wir halt ansonsten einfach so zwei Leute dazu „genötigt“.

Nach gut 21 Stunden unterwegs (ca. 11 Stunden reine Laufzeit), 52,4 Kilometer und 1500 Höhenmetern haben wir die Rosskur im Schuhkarton vollendet. Auch wenn es keine „echte“ Rosskur war, sind wir verdammt glücklich, denn für uns beide war es die erste Rosskur, welche wir komplett durchgelaufen sind.

Jetzt heißt es eine Woche auf die Siegerehrung warten und sich auf nächstes Jahr freuen, wenn es hoffentlich wieder zur Rosskur außerhalb des Schuhkartons geht.

UPDATE (26.07.2020): Unglaublich! Wir haben den ersten Platz geholt! Yeees!