Hängemattentour 2020 (09.-11. Juli)

Erschienen am in Fahrt, Rover

Thomas "Tommy" Gröschel

Im Mai 2000 hat Tommy als Wölfling im Stamm angefangen, alle Stufen durchlaufen und wurde 2008 Teil der Leiterrunde. Nach fünf Jahren Pfadfinderleitung wechselte er 2013 zur Roverstufe, bei denen er bis 2020 die Roverrunde „Schelle“ und „Goldfische“ begleitete. Zusätzlich zur Stufenleitung war er von 2012 bis 2021 im Stammesvorstand aktiv, anschließend wurde er NaMi-Beauftragter des Stammes. Seit 2022 übernimmt er wieder eine Leitungsfunktion im Pfaditrupp.
Auf Bezirksebene war er von 2018 bis 2022 Teil des Rover AK und wurde 2020 als Stufenreferent ernannt. Seit 2022 ist er Mitglied und Referent des AK Motivation & Vernetzung.
Auf Diözesanebene ist er seit 2021 Mitglied des Rover AK.

 

Je mehr Aktionen abgesagt werden umso stärker sehnt man sich noch eine Möglichkeit gemeinsam doch noch etwas unternehmen zu können – so auch bei uns in der Roverrunde „Goldfische“. Da kam es ganz gelegen, dass Tommy seinen Kurzurlaub im Juni nicht wie geplant durchführen konnte und kurzer Hand eine 3-Tages-Tour mit der Roverrunde plante. Wie bereits beim Lagerhopping 2018 wurde der Plan einer Neuauflage der Hängemattentour festgesetzt und auch das Ziel war zügig gefunden: Der Rheinfall. Der Plan war gemacht, die Verpflegung eingekauft und die Rücksäcke gepackt, doch dann Stiegen die Covid-19-Fallzahlen in der Schweiz und besonders in den Kantonen rund um unser Ziel. Wegen einem Tag in der Schweiz wandern eine mögliche Quarantäne in Kauf nehmen, war es uns dann doch nicht Wert und so wurden einen Tag vorher die Pläne nochmals über den Haufen geworfen. Die neue Route ging nun nicht mehr an das beliebte Touristenziel in der Schweiz, sondern führte uns einmal quer durch den Schwarzwald und versprach uns fünf Touri-Highlights an nur drei Tagen. Schauinsland, Feldberg, Feldsee, Schluchsee und die Wutachschlucht – Schick!

Los ging es jedoch mit Bus und Bahn zur Halde am Schauinsland. Das Touri-Highlight Nr. 1 sahen wir zwar nur aus knapp 2 km Entfernung, da wir den Schauinsland als Hausberg von Freiburg gut kennen, lassen wir aber das mal zählen. Aus dem Bus ausgestiegen ging es als für uns ab auf die Sohle in Richtung Feldberg, auf dem wir unsere Mittagpause anvisierten. Auf dem Weg zum „Dach des Schwarzwaldes“ kamen wir nicht nur an sommerlich grünen Skipisten und dem Nordic-Center am Notschrei, sondern auch an der längsten Bankliege der Welt beim Stübenwasen vorbei.

Da war uns natürlich klar – dort müssen wir drauf! So hieß es spontan Rucksack ab und in der Sonne abliegen. Während wir den schönen Ausblick bewunderten, stellten wir uns zwei Fragen zu diesem spontanen ersten Highlight der Tour. Zum einen, gibt es einen Unterschied zwischen Bankliege und Liegebank? Den Schildern nach, war es wohl sehr wichtig, dass es eine Bankliege und keine Liegebank ist. Zum anderen gibt es überhaupt eine zweite Bankliege auf der Welt? Das würde erklären warum die Benennung dieses Weltrekordes so wichtig ist. Nach einer guten Portion an Philosophie ging es weiter zum schon deutlich näherliegenden Feldberg und schon wenig später waren wir an der St. Wilhelmer Hütte, direkt vor dem lezten Anstieg zum Gipfel. Wir nutzten die Gelegenheit und füllte unsere Wasserflaschen nochmals auf, bevor wir die letzten 110 Höhenmeter in Angriff nahmen. Am Gipfel angekommen mussten wir dann jedoch eine Entscheidung treffen. Der Punkt war, dass wir einfach schneller als Gedacht am Gipfel waren und wir weder wirklich Hunger noch Laune auf Pause in der prallen Sonne hatten – wir entschlossen uns dazu weiter zu laufen. Am Bismarckdenkmal kam langsam der Hunger durch, doch wir hatten uns inzwischen den Feldsee als Pausenplatz ausgesucht und so ging es nochmals weiter. Vielleicht hatten wir uns doch etwas mit der Strecke und Zeit verschätzt, aber egal, wir hatten dafür einen wunderbaren Ort um für 2 Stunden die Füße hochlegen zu können.
Während wir uns etwas erholten, planten wir ein weiteres Mal die Tour etwas um, sodass wir unser Nachtlager bei Feldberg-Bärental aufschlagen sollten. Grund dafür war unser gutes Laufgefühl und der Punkt, dass wir uns im dortigen Supermarkt noch eine kleine Belohnung für die Tagesleistung gönnen wollten. Mit jedem weiteren Kilometer merkten wir unsere schweren Rucksäcke, machten unseren Weg aber weiter und schaften es gut zum Tagesziel. Nach einer kurzen Einkaufspause suchten wir einen schönen Ort für unser Nachtlager, welchen wir auch bald fanden. In der Dämmerung wurden wir zwar von den Schnaken an den Waldrand getrieben, dort konnten wir aber dann auch ein kleines Feuer machen und den Abend ausklingen lassen, bevor es uns in die Hängematten trieb.

Der zweite Tag begann mit einem herrlichen Sonnenaufgang mitten in der Natur mit einem schönen Ausblick in den Wald. Nach einem kurzen Frühstück packten wir unser Nachtlager zusammen, kontrollierten nochmals alles um nichts liegen zu lassen und starteten die zweite Etappe. Kaum hatten wir das Nachtlager verlassen sprangen schon zwei Rehe vor uns durch den Wald, was uns im morgendlichen Tran etwas überraschte. Die Strecke führte uns vorbei am Windgefällweiher und durch die Sprinkleranlage eines Holzlagers, welche als Roverdusche eine klasse Erfrischung war, zügig an den Schluchsee. Lucy zeigte uns dort noch einen ihrer Lieblingsorte am „Strand von Aha“, welcher uns natürlich zum Verweilen einlud. Die Badesachen an, das Badetuch raus und ab in den See. Nach dieser kurzen Erfrischung ging es weiter zum Ort Schluchsee, wobei der Weg dorthin, kein besonderes Highlight war und so alle froh waren, als wir uns beim nächsten Supermarkt die Vorräte und das Mittagsessen kaufen konnten, welches wir nicht unweit vom Ufer zu uns nahmen. Da für die Nacht regen angesagt war, entschieden wir, unser Nachtlager bei einer Schutzhütte aufzuschlagen. Auch wollten wir den Tag etwas entspannter angehen, als zuvor und waren so schon am Nachmittag am Tagesziel.

Die Fum… – pardon – Hummelhütte stellte sich als eine schöne kleine Hütte mit einem tolle Außenbereich und Brunnen heraus. Unsere Hängematten konnten wir zwischen den Balken mehr oder weniger einfach spannen und so sicher und trocken durch die Nacht kommen. Während wir unser königliches Pilz-Kartoffelbrei-Festmahl zubereiteten, tauchte plötzlich der Hüttenwart auf, welcher einer anderen Person die Hütte zeigte. Wir kamen ins Gespräch und hätten sogar in der Hütte übernachten können. Das Angebot lehnten wir jedoch ab, denn man Macht keine Hängemattentour um dann in einem Bett zu schlafen. Zudem war es schon super, dass wir uns munter am Brennholz bedienen, sowie unseren Müll an der Hütte lassen durften. Gutes Essen, schöne Umgebung, Lagerfeuer und eine tolle Stimmung untereinander – welch ein schöner Tag.

In der Nacht hatte es geregnet, was man auch direkt an den Temperaturen merkte. Da kam der warme Tee uns das Deluxe-Frühstück mit Rührei wie gelegen und sorgte gleichzeitig für eine gute Grundlage, denn wir merkten alle die letzten zwei Tage. Wir waren uns nicht sicher, ob wir die Wutachschlucht noch packen würden oder nicht – wir entschieden das vor Ort an der Schattenmühle zu klären und uns erstmal auf die Socken zu machen. Flott noch das obligatorische Bademodenfoto gemacht, Sachen gepackt und ab auf die Strecke.

Wir passierten malerische Trampelpfade und alte Bahnstrecken, von denen nur noch die Brückenfundamente standen, bis wir den Einstieg in die Lotenbachklamm erreichten. Faszinierende Felsgebilde begleitenden unseren Weg hinab zur Schattenmühle, welche unser Start in die Wutachschlucht sein sollte. Wir studierten nochmals die Karten, waren uns aber schnell einig, dass wir uns auf den Weg durch die Schlucht begeben. Zum Glück muss man sagen, denn die Schlucht begeisterte uns in all ihrer Pracht auch wenn es Stellenweise durch meterhohes Gestrüpp ging und man wenig von der Wutach erlebte. In unserer letzten Pause brauchten wir alle unsere Essenvorräte auf, sodass unser Gepäck deutlich leichter wurde, was ein klarer Vorteil an den Steilen aufstiegen der Schlucht war. Am Ende zog sich die Schlucht mit ihren monotonen Gestrüppfeldern etwas und so waren wir froh endlich an der Wutachmühle, dem Endpunkt unserer Tour angekommen zu sein. Am Kiosk gab es ein Kaltgetränk zum Feierabend und so mussten nur noch auf den Bus zurück warten – nach drei Tagen mit 13 ½ Stunden Laufzeit und 63,4 Kilometern die wohl leichteste Aufgabe.

 

Mit dabei waren Lucy, Finn und Tommy